Baden-Württemberg: Strukturelle Defizite in der SchweinehaltungTopagrar.com (05.02.10) - Das von den Experten für 2009 prophezeite gute Schweinejahr hat nicht gehalten, was es zu Beginn noch versprochen hat. Zu diesem Ergebnis kam es bei einem Treffen der Mitglieder der VdAW-Erzeugergemeinschaft für Qualitätsferkel Hohenlohe-Franken e.V. in Wolpertshausen Ende Januar. Zwar hatten sich die Preise Anfang des Jahres stabilisiert und im ersten Quartal auf einem ordentlichen Niveau gehalten. Doch bereits ab Jahresmitte fielen sie wieder stetig, noch bevor die Löcher im Geldbeutel der Ferkelerzeuger nach den schwierigen Jahren 2007/2008 gestopft waren. Daher mussten auch 2009 wieder viele Betriebe ihre Tore schließen. Mit diesem Rückblick auf das vergangene Jahr eröffnete Rolf Stirn, Vorsitzender der Erzeugergemeinschaft für Qualitätsferkel in Hohenlohe-Franken, die diesjährigen Mitgliederversammlung in Wolpertshausen.
Strukturelle Defizite
Stirn zufolge steht Baden-Württemberg bei der Zuchtsauenhaltung und Ferkelproduktion deutschlandweit an 4. Stelle. Rund 1 Mio. Ferkel würden jährlich aus dem Ländle in andere Regionen Deutschlands und in die EU exportiert. Infolge deutlicher struktureller Defizite gegenüber anderen Veredlungsregionen im Nordwesten und Osten der Bundesrepublik werde die Zahl der Zuchtsauenhalter mittelfristig jedoch stark zurückgehen und der noch vorhandene Ferkelüberschuss weiter sinken, betonte Stirn. Bei den Mastschweinen habe sich die Zahl der Tiere pro Betrieb verdoppelt, mit weiterhin steigender Tendenz.
Die Entwicklung der letzen Zeit erklärt die ebenfalls zunehmende Größe der gehandelten Ferkelpartien. Wie Daniel Weeber, Fachreferent im Verband der Agrargewerblichen Wirtschaft (VdAW), berichtete, hat sich die Zahl der Gruppen mit circa 50 Ferkeln 2009 fast halbiert, wohingegen Partien mit über 150 Tieren stetig zunehmen.
Vermarkter Emil Wanner ging auf die wachsende Konkurrenz aus dem Ausland, speziell aus Dänemark und den Niederlanden, ein. Laut Wanner werden jährlich ca. 8 Mio. Ferkel nach Deutschland importiert. Bei zunehmendem Importdruck prognostizierte er für 2010 ein ähnliches Preisniveau wie zu Jahresbeginn.
Impfstrategien
Ein Faktor, der ebenfalls auf die Gewinne der Ferkelerzeuger drückt, sind die steigenden Tierarztkosten infolge vermehrten Impfstoffeinsatzes. Den durch die globalen Tierströme kommt es heutzutage zu einer Zusammenballung verschiedenster Krankheitserreger im Vergleich zur früher eher geringen Keimdichte bei weitgehend separierten Tierbeständen, erklärte Dr. Heinrich Wilkes. Dem Tierarzt aus Nordrhein-Westfalen zufolge bringt daher eine Impfstrategie alleine gar nichts. Vielmehr müssten alle Risiken wenn möglich schon im Voraus durch eine Abschottung des eigenen Betriebes nach außen und einen Verzicht auf europaweite Zukäufe minimiert werden. Verbunden mit einer ständigen Überprüfung der Gesundheitssituation im Betrieb könnten so eventuelle sogar einzelne Impfungen weggelassen werden.
Helmut Brinkmann von der Erzeugergemeinschaft für Schlachtvieh im Raum Osnabrück (EGO) sprach sich für einen nationalen Tiergesundheitsstandard aus. Die vielen unterschiedlichen Systeme in Deutschland würden die Mäster nur verwirren. Um sowohl deutschland- als auch europaweit wettbewerbsfähig zu bleiben, brauche man ein einheitliches Erfassungssystem mit begleitenden Maßnahmen, das Mästern und Vermarktern zuverlässige Informationen über den Gesundheitszustand der Tiere biete.
(Quelle:
http://www.topagrar.com/index.php?option=com_content&task=blogcategory&id=25&Itemid=520)
Kassamarkt: Lebhafte Nachfrage - Angebot an Schlachtschweinen oft nicht ausreichendDie lebhafte Nachfrage nach Schlachtschweinen führte zu einem erneuten Preisanstieg von 4 Cent auf 1,38 Euro. Vielerorts sind die Stückzahlen recht umfangreich, für den Bedarf der Schlachtstätten reichen diese oft nicht aus.
Im Fleischverkauf kam es heute zu erneuten Spannenverlusten. Insbesondere bei Bäuchen und der weißen Verarbeitungsware war der Preisanstieg nicht umzusetzen.
(Quelle: VR Agrarberatung)
Terminmarkt: Februar Schweine zum Tagesschluss nachgebendHeute wurden, wenn die Erinnerung nicht täuscht, zum ersten mal seit der Aufnahme des Schweine Terminhandels an der Eurex alle 8 Terminmonate von Februar bis September 2010 gehandelt. Auch die Tendenz zu engeren Spreads (Geld- und Briefkurse nicht mehr so weit auseinander) hat sich in den letzten Wochen fortgesezt.
Umgesetzt wurden 23 Kontrakte mit Preisänderungen zwischen minus 0,9 Cent (August, auf 1,501 Euro) und plus 0,9 Cent (Mai, auf 1,43 Euro). Der M 12 Index für Schweine schloss mit einem Anstieg um 0,12 Cent auf 1,4206 Euro und damit auf Tageshöchststand.
Nach der 4 Cent höheren Notiz des V-Preises bei 1,38 Euro konnten sich Februar Schweine zwar mit unverändert 1,378 Euro halten, doch gaben die Geld-/Brief-Kurse bis 16 Uhr auf 1,35 zu 1,378 Euro nach, was auf einen schwächeren Handelsbeginn am Montag deuten könnte.
Am Ferkel Terminmarkt wurde nur 1 Kontrakt der Fälligkeit April mit einem Anstieg um 3 auf 49 Euro gehandelt. Der M 12 Index schloss um 55 Cent höher bei 44,58 Euro.
Februar Ferkel wurden umsatzlos mit einem Anstieg um 1 auf 49 Euro getaxt. Für den Kassamarkt ist in der kommenden Woche ein weiterer Preisanstieg für Ferkel von 1 bis 2 Euro zu erwarten.
Saisonale Aussichten für die kommenden 12 Monate: April Schweine mit 10 Cent KurspotentialDie obige Grafik berücksichtigt den heutigen Preisanstieg um 4 Cent. Statistisch gesehen sind damit die Aussichten auf höhere Preise im Sommer noch besser als in der vergangenen Woche.
Der Vergleich der aktuellen Terminkurse (blaue Kästchen, Pfeil am rechten Rand = Schlusskurs) zeigt, sofern die saisonale Entwicklung in diesem Jahr nicht wesentlich von der aus den letzten 10 Jahren abweicht, weiterhin zu niedrige Terminkurse für März Schweine (5 Cent) und April Schweine (10 Cent !). Auch die Sommermonate August (8 Cent) und September (9 Cent) zeigen noch ein ordentliches Potential für Kurssteigerungen.
Empfehlung unter saisonalen Aspekten: Hedger (Scheinemastbetriebe) sollten Shortpositionen der vier genannten Terminmonate eindecken, Schlachtbetriebe sollten die niedrigen Kurse für Terminkäufe nutzen.