Hohe Ernte, niedrige Preise - Getreidepreise erholen sich nur langsam
Agrarheute.com / pd, München (06.02.10) - Am Getreidemarkt zeichnen sich angesichts der derzeit guten Versorgungslage insbesondere beim Weizen bisher noch keine "bullischen" Tendenzen ab.
In den letzten zwei Jahren führten weltweite Rekordernten bei Weizen und Getreide insgesamt trotz eines zunehmenden Verbrauchs zu einem Bestandsaufbau. Lediglich bei Mais stieg zuletzt der Verbrauch wegen des wachsenden Bedarfs für die Bioethanolproduktion in den USA über die Produktion, so dass dieser Rohstoff knapper wurde. Deshalb konnten sich die Preise für Körnermais deutlich besser behaupten als für Weizen oder auch Raps.
In Deutschland kam noch dazu, dass große Mengen Mais bereits ab Feld in Biogasanlagen flossen, da die Verwertung auf dieser Schiene besonders in den Erntemonaten deutlich rentabler war. Wenn sich die Versorgungslage beim Weizen mit Blick auf die kommende Ernte nicht verschlechtere und sich eine erneut gute Ernte abzeichne, dürften sich die Preissteigerungen auch weiterhin in Grenzen halten. "Es muss aber noch bis zum Frühjahr abgewartet werden, wie die Saaten über den Winter kommen und wie es mit dem Anbau insgesamt aussieht. Treten hier Probleme auf, sind auch schnell wieder Preissprünge nach oben möglich. Die Qualität wird letztlich ebenfalls eine entscheidende Rolle für den Weizenpreis spielen", erläutert Willi Zellner, Referent der Marktberichtstelle im Bayerischen Bauernverband.
Gute Aussichten am Rapsmarkt
Weil die Preise für Produktionsmittel wie für Dünger oder Diesel bereits spürbar nachgegeben hätten und sich auf das Ergebnis der kommenden Ernte unmittelbar auswirkten, werde sich die Situation für die Ackerbauern zur Ernte 2010 schon aus diesem Grund bessern. "Wie weit die Preise letztlich steigen, bleibt abzuwarten", sagt Zellner. Der Rapspreis konnte sich im Vergleich zum Weizen trotz hoher Ernten in der EU und Deutschland besser behaupten und hat damit seine Preisvorzüglichkeit gegenüber Getreide nochmals verbessert. Das Preisverhältnis Raps zu Weizen lag von August bis Dezember mit 243,30 Euro zu 99,50 Euro pro Tonne deutlich über 2:1. Unterstützt wurde diese Entwicklung in erster Linie vom Sojamarkt.
Nachfrage nach Rapssaat und –öl gut
Neben der Entwicklung der Rohölpreise ist für die weitere Entwicklung der Rapspreise die Sojabohnenernte in Südamerika, die Ende Januar bis Anfang Februar beginnt, entscheidend, erklärt der BBV-Marktexperte. Werden die Ernteerwartungen erfüllt, dürften die Notierungen des Sojakomplexes in Chicago unter Druck geraten und nachgeben. Dies könnte auch Auswirkungen auf die Rapspreise in Europa haben. Die jüngste Prognose des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums im Januar sorgte wegen der hohen Ernteschätzung bei Soja zumindest vorübergehend für Preisturbulenzen, in deren Sog auch die Rapskurse für die bevorstehende Ernte gerieten. Dennoch war die Nachfrage in der EU nach Rapssaat und –öl gut.
Starke Preisausschläge bei Dünge- und Futtermittel
Die Entwicklung der Preise verlief bei den verschiedenen Betriebsmitteln unterschiedlich. Am stärksten stiegen in der Boomphase die Preise für Düngemittel. Sie kletterten von April 2007 bis Oktober 2008 um mehr als das Doppelte. Im gleichen Zeitraum verteuerten sich Energie- und Schmierstoffe um gut ein Viertel sowie Futtermittel um gut ein Drittel. Der Einbruch der Nachfrage brachte dann jedoch auch die Betriebsmittelpreise ins Rutschen. Von ihren Mitte 2008 erreichten Preisspitzen bis Mitte 2009 gingen die Preise wieder deutlich zurück. Damit kosteten Energie- und Schmierstoffe sowie Futtermittel im Juli 2009 etwa so viel wie im ersten Halbjahr 2007. Düngemittel waren hingegen im Juli 2009 noch rund 80 Prozent teurer als im Juli 2007.
(Quelle:
http://www.agrarheute.com/pflanze/getreide/hohe_ernte,_niedrige_preise_.html?redid=327196)