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Thema: Schweine: "Veredelung" landwirtsch. Produkte durch nachgel. Betriebe
BIGPIG  Am: 21.02.2013 15:42:15 Gelesen: 712# 1 @  
Hallo,

wir Landwirte sind, zumindest die Mehrzahl von uns, rechtschafende und gesetzestreue Unternehmer. Wir produzieren Lebensmittel und verkaufen Sie zu Kursen, die unsere Abnehmer uns vorschreiben. Wir leiden immer mehr unter den zunehmenden Auflagen oder Vorschriften im Tier- u. Agrarbereich. Wir Landwirte sind bemüht, allen Auflagen nachzukommen um diese zu erfüllen. Prüfungen durch QS, Veterinärbehörden und dem Staat werden in gewissen Zeitabständen durchgeführt.

Auf der anderen Seite wird mit allen Mitteln versucht, aus unseren Produkten Geld zu machen. Sind es die Schlachter, Zerleger oder der LEH - alle verdienen sich eine goldene Nase an uns.

Die Schlachter haben in den letzten Jahren, durch versteckte Preissenkungen, gutes Geld verdient. Hier möchte ich die Erhöhung des Basis MFL-Anteils bei FOM von 56 % auf 57% erwähnen. Hinzu kommt die Einführung von Autofom mit einem Vorteil von mindestens 5 Cent je kg SG für die Schlachtereien. Dazu kommt der teilweise immer noch praktikable Abzug für "fleischlose Schweine". Viele von uns haben sicherlich mal die Erfahrung gemacht, dass in "Druckzeiten" (Hauspreise usw.) die Ausschlachtungen und MFL-Anteile oder Autofom Punkte schlechter sind. In "Suchzeiten", wenn Schweine knapp sind, werden o.g. Fakts wieder besser. Ist doch komisch oder. Neutrale Klassifizierung ist wohl doch nicht Neutral???. Insgesamt haben sich somit die Schlachtereien einen Bonus von 10 - 15 Cents gegönnt.

Die Zerlegebetriebe sind wohl, bis auf einige Ausnahmen, vom Pfad der Tugend abgewichen. In einem TV-Bericht von Heute berichtete ein ehemaliger Mitarbeiter eines Zerlegebetriebes von Umetikettierungen im grossen Maßstab. Hier wurden die Etiketten von etlichen Fleischlieferungen aus dem Ausland entfernt um dieses, nach der Zerlegung, zu Fleisch aus deutscher Herkunft zu machen. Ca. 100 to. wurden in diesem Betrieb pro Tag zerlegt. Der Mitarbeiter sprach von einem Minimumprofit von ca. 10 Cent je kg.. Den Rest kann sich jeder selbst ausrechnen. Dazu kommt der Pferdefleisch-skandal, der ......skandal usw..
Da stellt sich mir die Frage: Wann will Frau Ministerin Aigner endlich anfangen, diese Missstände abzustellen?. Bildlich gesprochen, ist sie gerade in Hamburg auf die Autobahn gefahren, während die o.g. Betriebe schon im Ruhrgebiet kurven. Frau Aigner hat bislang nur die Spitze des Eisbergs gesehen und "versucht" nun, wenn sie endlich mal ihren Reden Taten folgen lassen würde, diesen zu zertrümmern. Der grosse Rest liegt noch verborgen.

Der LEH ist, nach meiner Meinung, der grösste Profiteur des ganzen Handelns. Dort sind Gewinnmargen in 3-stelliger Prozentzahl wohl an der Tagesordnung. Nach Unten treten und nach Oben abzocken. Das ist die Devise. Wenn einer nicht "billig" liefern kann, wird er ausgelistet. Möglicherweise ist dieses Vorgehen die Hauptursache für all die vorgenannten Missstände in den, den Landwirten nachgelagerten, Betrieben.

Mein Fazit: Deutschland ist zu einem Land von Abzockern und Abkochern verkommen. Sitte und Moral haben an Wert verloren. Jeder kämpft für sich und gegen die Anderen. Mafiaähnliche Strukturen haben Einzug gehalten. Der Dumme ist der Bauer. Er wird ermuntert immer mehr zu produzieren um den Profit seiner Abnehmer zu steigern.

mfg

Bigpig
 
Benno Baumann  Am: 21.02.2013 16:17:24 Gelesen: 683# 2 @  
Selbstmitleid bringt uns Landwirte nicht weiter, sondern nur unternehmerisches denken und handeln. Und das ist in den nachgelagerten Bereichen deutlich häufiger zu finden als bei den Landwirten.
Es gibt auch Landwirte die sich eine goldene Nase verdienen, genau wie es Schlacht- und Zerlegebetriebe gibt, die aufgeben oder insolvent gehen.
Im Falle vom vorsätzlichem Betrugs gebe ich Dir recht, dass dort nicht nur häufiger kontrolliert werden muss, sondern die Strafen auch höher sein müssen.
Ich erinnere noch mal an den letzten Dioxin-Skandal. Der Verursacher ist mit einer verhältnismäßig geringen Geldbuße bestraft worden und produziert nun munter weiter. Den hätten wir eigentlich lynchen müssen!
 
BIGPIG  Am: 21.02.2013 16:46:50 Gelesen: 671# 3 @  
@ Benno Baumann [#2]

kann man eine Preisdiktatur durch unsere Abnehmer als unternehmerisches Denken oder Handeln bezeichnen??. Wir schreiben bislang immer noch keine Rechnungen für unsere Produkte. Wenn man seine Arbeit und deren Produkte anderen in Rechnung stellen kann, dann ist man, in meinen Augen, Unternehmer!!. In keiner anderen Branche ist es üblich, das der Lieferant nicht auch Rechnungssteller ist!!!.

mfg

Bigpig
 
papuawenzel  Am: 22.02.2013 07:05:03 Gelesen: 537# 4 @  
@ BIGPIG [#3]

Das ist so, nur die Landwirte sind Lieferanten und schreiben keine Rechnung. Wüsste nicht, ob es eine andere Branche gibt. Landwirtschaaftliche Produzenten sind der "Willkür" der Abnehmer mehr oder weniger freigegeben. Warum ist das so?
 
Bauer Bernie  Am: 22.02.2013 09:42:31 Gelesen: 489# 5 @  
@ BIGPIG [#3]

Das ist leider so. Deshalb sind wir Bauern wie sie unter #1 geschrieben haben rechte Schafe.

Mfg

BB
 
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