Agravis sucht Investoren
Von Guido Hartmann
Die Welt (16.12.07) - Der Handelskonzern aus Münster setzt im Jahr mit landwirtschaftlichen Produkten und Landtechnik knapp vier Milliarden Euro um. Doch die Gewinne sind bislang mager. Gleichzeitig steigen die Risiken im Agrarhandel.
Von Münster aus leitet Clemens Große Frie einen der 30 größten deutschen Handelskonzerne. Als "Partner der Landwirtschaft und der Menschen im ländlichen Raum" reicht das Gebiet der Agravis Raiffeisen AG nach früheren Fusionen von Westfalen über Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg bis zur polnischen Grenze.
"Wir haben überwiegend sehr volumenstarke Produkte, die können wir nicht mit der Post verschicken", sagt Große Frie. Und weist lächelnd auf einen riesigen Getreidesilo auf dem Gelände der Münsteraner Zentrale, in dem der Rohstoff für Mischfutter - egal, ob für Schweine, Rinder, Geflügel oder Pferde - gelagert wird.
Agravis ist ein Kunstname, den der Konzern, der zu 82,1 Prozent im Besitz landwirtschaftlicher Genossenschaften ist, seit der Fusion der RCG Nordwest eG in Münster und der RHG Nord AG in Hannover im Jahr 2004 trägt. Agrar steht dabei für Landwirtschaft und das "vis" für Energie oder auch Visionen, erläutert der Vorstandschef. Und die alten Namen hätten Außenstehenden ja auch kaum etwas gesagt. Das ist bis heute auch bei der Agravis nicht viel anders. Die Aktiengesellschaft ist ein unbekannter Riese. An rund 300 eigenen Standorten steht sie mit Landtechnik, Baustoffen, Heizöl und Holzpellets zur Versorgung der Landwirte und Kunden im ländlichen Raum bereit. Die Agravis betreibt und beliefert auch Raiffeisen-Märkte im Arbeitsgebiet und ist ein klassischer Agrar-Großhändler für Düngemittel, Saatgut, Pflanzenschutz oder Futtermittel. Dabei wird das Geschäft, wie Große Frie erklärt, im Westen vorwiegend über die Primärgenossenschaften mit den Landwirten gemacht. In den östlichen Bundesländern läuft es hingegen anders, dort ist die Agravis über eine eigene Tochtergesellschaft am Markt aktiv.
Während die Agravis über ihre Genossenschaften vor Ort von den Bauern Getreide und Ölsaaten bezieht - die sie etwa zu Futtermitteln und Biodiesel verarbeitet -, verkauft sie im Gegenzug in der Regel über die selbstständigen Primärgenossenschaften Tierhygiene, Düngemittel, Saatgut, Pflanzenschutz und Futtermittel an die Bauern. "In acht regionalen Werken stellen wir im Jahr über zwei Millionen Tonnen Mischfutter her", sagt Große Frie. Zudem werden Geräte wie Trecker und Erntemaschinen über 17 eigene Technik-Gesellschaften an die Bauern vertrieben. "Nach dem Sturm ,Kyrill' zu Jahresbeginn haben wir zahllose Motorsägen und Mittel gegen den Borkenkäfer in großen Mengen zusätzlich verkauft", sagt Große Frie.
Das Prinzip der Hauptgenossenschaft funktioniert folgendermaßen: In großen Mengen einkaufen und zu günstigen Preisen an die Mitglieder weiterverkaufen. Und diesen ihre Produkte abzunehmen, um sie als "Großer" auf den Märkten anzubieten, etwa Getreide.
Um allerdings ernten zu können, ist vorher das richtige Saatgut, Düngemittel und der optimale Pflanzenschutzeinsatz wichtig. "Hier beraten wir unsere Kunden und Vertriebspartner auf hohem Niveau. Gleiches gilt auch für die Technik, die zum Erntezeitpunkt laufen muss", so Große Frie.
Gerade in der Erntezeit kann der Ausfall einer Maschine großen wirtschaftlichen Schaden verursachen. Die Agravis-Technikteams stehen dann rund um die Uhr bereit. Selbst eigene Tankstellen, Märkte und Baustoffhandlungen betreibt die Aktiengesellschaft, überwiegend im ländlichen Raum. "Dort bekommen Sie fast alles, vom Kaninchen bis zu Gummistiefeln."
Trotz eines Umsatzes von 3,9 Milliarden Euro in 2006 lag der Gewinn vor Steuern bei überschaubaren 14,4 Millionen Euro. Das Geschäft laufe leider nur mit sehr kleinen Gewinnmargen, sagt Große Frie. Die Umsatzrendite beträgt lediglich rund 0,33 Prozent.
Gleichzeitig muss die AG in der Erntezeit mit Krediten von einer halben Milliarde Euro arbeiten. Denn den Bauern muss die Ernte zum vereinbarten Preis abgekauft werden. Anschließend wird damit gehandelt. Wichtigste Kunden sind dabei die Mühlen, die Backmehl produzieren und natürlich die eigenen Mischfutterwerke.
Doch diese Geschäfte bergen angesichts der Veränderungen auf den Weltmärkten zunehmend hohe Risiken, erläutert Große Frie. "Die Inder und Chinesen etwa kaufen massiv Milchprodukte und Getreide bei uns." So wurde die Tonne Weizen an den internationalen Börsen lange um 120 Euro gehandelt. Vor einigen Monaten stieg der Preis wegen der hohen Nachfrage aus Asien auf mehr als 300 Euro. Bei Gerste und Roggen war die Entwicklung ähnlich. Mittlerweile hat sich der Preis bei rund 240 Euro je Tonne eingependelt.
Jährlich handelt Agravis mit fünf Millionen Tonnen Getreide, das zur Erntezeit zu vereinbarten Preisen abgenommen werden muss. Sollte es dann vor dem Verkauf zu einem Preiseinbruch kommen, hätte Agravis ein großes Problem. Angesichts dieser Entwicklung sei das breite Portfolio der Agravis auch zur Stabilisierung des Gesamtgeschäfts hilfreich, sagt Große Frie. Dennoch müsse das Verhältnis zwischen Umsatz und Gewinn verbessert werden. "Wir wollen mehr verdienen", sagt Große Frie. Deshalb stehe Agravis auch dem Einstieg potenzieller Investoren positiv gegenüber. Jedoch ist in der Satzung verankert, dass mindestens 60 Prozent des Kapitals in genossenschaftlicher Hand bleiben muss. "Rund 80 Prozent des Aktienkapitals wird von den 160 Primärgenossenschaften gehalten", sagt Große Frie. Ein völliger Verkauf oder eine feindliche Übernahme sind im Grunde ausgeschlossen. Alle Aktien sind vinkuliert, der Vorstand müsste einer Veräußerung von Anteilen zustimmen.
An die 4,2 Milliarden Euro Umsatz erwartet Große Frie für das das zu Ende gehende Jahr. Größer als die Agravis ist nur noch die in München sitzende Hauptgenossenschaft BayWa. Drittgrößter ist die RWZ Raiffeisen Rhein-Main in Köln, die neben dem Rheinland auch Hessen und Teile der Pfalz abdeckt. Neben den genossenschaftlich organisierten Agrar-Großhändlern gibt es noch einige private Handelsunternehmen. Etwa Beiselen und die Getreide AG, die im bundesweiten Vergleich auf Platz fünf und sechs stehen.
Der 55-jährige Agrarwissenschaftler Große Frie kam kurz vor dem Zusammenschluss zur Agravis zum Unternehmen. "Die Fusion war richtig", sagt Große Frie. Beide Agrarkonzerne allein hätten auf Dauer wirtschaftliche Schwierigkeiten bekommen. "Wir arbeiten in schrumpfenden Märkten." Die Zahl der Bauern und damit der Handelspartner ist seit Jahren rückläufig. Dennoch sei Wachstum möglich, vor allem wegen der globalen Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten infolge des allgemeinen Bevölkerungswachstums.
(Quelle:
http://www.welt.de/wams_print/article1466267/Agravis_sucht_Investoren.html)
Getreidepreise verhageln Agravis das Geschäft
Von Ralf Heimann
Halterner Zeitung, Münster (09.03.10) - Deutschlands zweitgrößter Agarhändler Agravis hat im Krisenjahr 2009 unter dem Preisverfall bei landwirtschaftlichen Produkten gelitten. Der Umsatz brach ein. Dabei hat das Unternehmen deutlich mehr verkauft als ein Jahr zuvor.
Wie der Agravis-Vorstandsvorsitzende Dr. Clemens Große Frie am Dienstag in Münster mitteilte, sackte der Umsatz des Unternehmens um 15 Prozent auf fünf Milliarden ab, der Vorsteuergewinn sank um acht Prozent auf 23,3 Millionen Euro.
Überraschend kommt die Entwicklung nicht. Das Jahr sei nicht schlechter gelaufen als erwartet, sagte Große Frie. Das Unternehmen habe keine Marktanteile verloren und sich in der Krise gut behauptet. Die umgesetzte Menge wuchs um vier Prozent. Der Grund für die Talfahrt seien allein die schlechten Preise, sagte Große Frie.
Preise stürzen ab
Der Preis für eine Tonne Getreide lag 2008 bei 220 Euro, danach stürzte er auf 120 Euro ab. Eine Tonne des Düngemittels DAP kostete noch vor zwei Jahren 913 Euro, im vergangenen Jahr 325 Euro.
Eine Ende der Durststrecke sieht Clemens Große Frie noch nicht. Er rechnet damit, dass die Preise weiter auf einem niedrigen Niveau bleiben und „2010 schwieriger wird als 2009“. Die Krise komme zeitversetzt im Agrarbusiness an, sagte er. Sie werde auch länger zu spüren sein.
(Quelle und weiter lesen: ->
http://www.halternerzeitung.de/lokales/muenster/Muenster-Getreidepreise-verhageln-Agravis-das-Geschaeft;art993,842527)
Preise mitgeteilt von der Landwirtschaftskammer Hannover Zur Zeit stelle viele Milchviehbetriebe und Ackerbauern in meiner Region auf Mais/ Biogasmais um!
Ein Landwirt in meinem Dorf baut erstmals dieses Jahr 100 ha Mais für eine Biogasanlage zum Festpreis 1200.- Eur je ha und bekommt die anteilige Gülle der Biogasanlage frei Feld ausgebracht.
Und somit ist seine Grungdüngung erledigt und etwas N und S wird zugekauft.
Da freuen sich die Wildschweine!
MfG
Danke an alle für die prompten Antworten.
Wie man sieht, ist es durchaus unterschiedlich.
Es fragt sich nur, in welchem Umfang was verdrängt wird. Bei Weizen spielt eine Menegenreduzierung sicherlich keine Rolle, da wir einen Zuwachs von 3 % haben. Ebenso wenig spielt Gerste eine Rolle; davon gibt es auch genug.
Wahrscheinlich muß man bei Roggen aufpassen, hier kann sich manches verschieben. Und Raps sollte aufgefangen werden durch Importe aus dem Osten.
Hat jemand mal eine Zahl gehört, wie viel Hektar Verschiebung von dieser Ernte zu nächster Ernte es gibt ?
Nana; Graintrader; da sei dir mal nicht so sicher.
Fakt ist z.B.; dass im vergangenen Herbst hier in unserer Gegend schon weit über 30000 to. Körnermais gefehlt haben; die allesamt in den Betonkühen verschwunden sind; deshalb gibt es keinen Mais mehr in den Schweinemastfuttern; dieser muss allesamt durch Weizen ersetzt werden; beim Geflügelfutter sieht das anders aus; hier muss Mais enthalten sein; sodass es schon zu verschiebungen gekommen ist; die noch deutlicher waren als im Jahr zuvor; wo schon aufgrund seines Preisunterscheides zwischen Weizen und Mais dieser von den hiesigen Mischfutterfirmen an Geflügelfutterfirmen verkauft wurde und durch Weizen ersetzt wurde.
Noch sind die Verwerfungen im % Bereich; aber der Umstand dass immer mehr Biogasanlagen gebaut werden; gleichzeitig auch wieder mehr Mischfutter benötigt wird; kann schon zu katastophalen Umständen führen wenn es einmal im neuen gelobten Land (Osteuropa/ Russland/ Ukraine) zu irgendwelchen Störungen kommen wird.
Denn die Überhänge wie in den achzigern haben wir noch lange nicht.
Und wenn mehrere Länder in die Biogasproduktion einsteigen werden ( die ersten Anlagen hiesiger Hersteller sind schon nach Polen/ Ungarn/ Rumänien verkauft worden; dienen dort in erster Linie der Verwertung nicht verkaufsfähiger; oder andersrum gesagt der sonst billigst angebotenen Mengen); dann ist der "Ausserlandwirtschaftliche" Verbrauch schnell jährlich höher wie der Zuwachs in den genannten Staaten.
In dem Sinne
MFG
Mühlenbach